„Mit diesem „Wozzeck“ hat Andrea Breth sich selbst übertroffen. Die visionäre Strenge, mit der sie das beliebte Stück aus der Inszenierungsfalle des Arme-Leute-Kitsches herausholt, trifft sich dabei mit Daniel Barenboims bezwingender Durchdringung der Partitur am Pult seiner transparent, strömend und prägnant spielenden Staatskapelle. Bergs Espressivo kommt beseelt zur Geltung, ohne dass die Radikalität dieser drastischen, die Brutalität des Geschehens bis in kleinste Gesten hinein registrierenden Musik ins Wienerisch-Versöhnliche geglättet würde.“ (FAZ)
„Wozzecks Verstörung über die Tat, das arbeitet Breth fantastisch heraus, ist mehr. Sie ist die Verstörung über die Kaputtheit des Gesamten… Nicht nur in der schauspielerischen, sondern auch in der (damit eng verknüpften) sängerischen Darstellung wird das gespiegelt, besonders schlüssig in den beiden Hauptfiguren…Wie man es so sieht und hört, stockt einem der Atem. Da ist wirklich keine Hoffnung, nirgends. Da ist nur die Nacht, finster und unheimlich … Meisterhaft.“ (Frankfurter Rundschau)
„Daniel Barenboim und die zu jeder Art von Transparenz fähige, willige Staatskapelle beleben Alban Bergs Musik mit den Mitteln des aufgefächerten, soghaften Espressivo, zumal in den symphonischen Zwischenspielen. Zugleich machen sie den atonalen Konstruktivismus der Partitur jederzeit durchhörbar – strikt nach dem Entwurfsplan des Komponisten, der die drei Akte mit einer formal, harmonisch und rhythmisch abenteuerlichen Akribie durchkomponiert hat. Die Akustik des Schillertheaters und der musikalische Höhenflug des Ensembles lassen den musikalischen Reichtum des „Wozzeck“ aufblühen. Und Barenboim, der sich zum Applaus mit seiner Staatskapelle auf der Bühne zu versammeln pflegt, tat das Richtige, als er zu den Ovationen die Regisseurin Andrea Breth demonstrativ dankbar umarmte.“ (Süddeutsche Zeitung)
„Starke Sänger stehen Daniel Barenboim zur Seite, Roman Trekel zuvorderst: Er bietet einen Wozzeck, dem man sein Leiden glauben kann, er singt mit großer Klarheit und Hingabe und findet einen überzeugenden Zugang zu dem von Berg vor allem in der Titelpartie häufig geforderten Sprechgesang.“ (Stuttgarter Nachrichten)
„Triumph der Staatsoper. Andrea Breth und eine annähernd makellose Sängerbesetzung haben mit dieser Einstudierung die denkbar großartigste „Wozzeck“-Aufführung zustande gebracht. Sie überflügelt selbst die unvergessliche Erinnerung an die Inszenierung von Patrice Chéreau.“ (Berliner Morgenpost)
„Brillant aufgelegt und immer für eine Überraschung gut: Daniel Barenboim am Pult der Berliner Staatskapelle. …er liefert spättonal schwelgerischen Sound. Ein oft tänzerisch beschwingter Reigen von so verblasener Schwüle, als sei's "Salome". Hinreißend! Hier zeigt sich ein noch immer missionseifriger, kenntnisgesättigter Dirigent auf seiner Höhe.“ (Die Welt)
„Roman Trekel verwandelt sich die Psychologie der Titelfigur an, er lotet die Partie auch stimmlich mit seinem wohlklingenden Baritontimbre bis in Nuancen hinein aus. Kein forcierter Ausbruch und keine aufgesetzte Emphase trüben die Glaubhaftigkeit dieser großartigen Darstellung. Marie (darstellerisch wie stimmlich drahtig und energievoll verkörpert von Nadja Michael) lässt sich keineswegs vom Tambourmajor (John Daszak als eine gorillaartige Ausgeburt bewusstloser Triebhaftigkeit) vergewaltigen. Eher treibt sie ein selbstzerstörerisches Spiel mit ihm, wie in dem verzweifelten Versuch, wenigstens über den Schmerz noch einmal so etwas wie Leben überhaupt zu spüren.“ (FAZ)
„Mit diesem »Wozzeck« hat die zeitgenössische Opernregie – stellvertretend für das Theater überhaupt – ihre gesellschaftliche Aufgabe als öffentlicher Raum des Nachdenkens über die conditio humana aufs Eindrucksvollste bewiesen und ihre bisweilen banausisch kritisierten hohen Subventionen mehr als gerechtfertigt. Es gibt kein wichtigeres Thema.“ (Neues Deutschland)
„Es gibt sie noch, diese großen Abende, wo man plötzlich wieder erlebt, was Oper sein kann: konzentrierte, vertiefte Menschlichkeit, die auch das Ungesprochene, Unaussprechbare zum Klingen bringt, weil sie die Musik hat… Eigentlich sollte man sich nach diesem Abend eine längere Musiktheater-Askese auferlegen, um alle Begeisterung nicht gleich wieder auf dem Jahrmarkt der Bühneneitelkeit in kleinere Münze tauschen zu müssen.“ (Dresdner Neueste Nachrichten)
„Directed with minimal props and maximum physicality by Andrea Breth, it was a tour de force, with Roman Trekel impeccable as a wan, heartbreaking, almost gormless Wozzeck, and Nadja Michael 's Marie careless, febrile and bewitching. Orchestra and onstage band brought Berg's lurching waltzes and drunken marches to cruel life. In the cool intimacy of the revamped 1950s Schiller theatre each note glistened.” (The Observer)
“With Barenboim at the helm and a strong cast of singer-actors, the Staatsoper has come up with a Wozzeck that will go down in Berlin’s musical history. This dark, intense production is made so well that it feels like a 100-minute nightmare. The effect is traumatic…it is a triumph.” (Financial Times London)