Der Verein
Orchesterakademie
DIE DEN BOGEN RAUS HABEN – DIE ORCHESTERAKADEMIE DER STAATSKAPELLE ALS NACHWUCHSPFLEGE
von Albrecht Thiemann, Opernwelt
Professionell den Bogen spannen, ins Horn stoßen oder auf die Pauke hauen können viele. Dreiundzwanzig Musikhochschulen und Konservatorien gibt es derzeit in der Bundesrepublik. Von den rund 17.000 Studentinnen und Studenten, die dort immatrikuliert sind, lernt etwa die Hälfte ein Orchesterinstrument. Mehr als genug, um den Nachwuchsbedarf der 135 öffentlich unterstützten Klangkörper in Deutschland zu decken. Sollte man meinen.
Doch nicht nur jene philharmonischen Großformationen, die in der Champions League spielen, sind dazu übergangen, potenzielle Novizen für die eigenen Reihen nicht von der Hochschulbank weg zu rekrutieren, sondern zunächst einem eigenen Praxistest zu unterziehen – in einer »Orchesterakademie«, die hoch begabten jungen Musikerinnen und Musikern eine Art Aufbaustudium unter verschärften Realbedingungen bietet. Die vielfach bestätigte Erfolgsidee dieser Akademien lässt sich auf eine simple Formel bringen: »learning by doing«. Zwar erhält, wer das Probespiel für einen der begehrten Plätze besteht, auch Einzelunterricht durch erfahrene Instrumentalisten; doch der Hauptzweck der Übung besteht darin, in die delikate, fragile, komplexe Kultur des Ensemblespiels einzuführen – im Konzert wie im Opernalltag, in Kammerbesetzung wie in voller Mahler- oder Strauss-Stärke.
Seit 1997 unterhält auch die Staatskapelle Berlin eine Orchesterakademie. Sie wurde von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Mitgliedern der Kapelle gegründet, um geeigneten Musikhochschulabsolventen mit einem zweijährigen Stipendium die Möglichkeit zu geben, sich mit Arbeit und Alltag eines Spitzenorchesters aus der Pult-Perspektive vertraut zu machen. Die Akademie wird von einem gemeinnützigen Verein getragen, dessen Vorsitz die Vorsitzende des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses von Berlin Alice Ströver inne hat. Rund einhundert Eleven haben die Akademie bisher durchlaufen.
Heute ist die Akademie das wohl wichtigste Kapital, wenn die Besetzung vakanter Stellen ansteht: Über zwanzig »Ehemalige« hat die Staatskapelle bislang übernommen, Tendenz steigend. Fabian Schäfer zum Beispiel. Der junge Oboist (Jahrgang 1978) nutzte von 2003 bis 2005 die Chance, als einer von damals zweiundzwanzig Stipendiaten das Innenleben des Orchesters kennen zu lernen. Mit dem Traumergebnis, dass er anschließend gleich die Solo-Position in seiner Instrumentengruppe angeboten bekam. »Ich konnte mich während dieser Zeit ganz allmählich an den besonderen Klang der Staatskapelle herantasten«, schwärmt Schäfer. »Mein Ton ist dunkler, weicher, farbiger geworden, er fügt sich nun in den vollen, organischen Mischklang ein, der die Staatskapelle auszeichnet und sie von anderen Orchestern unterscheidet.«
Die Vermittlung dieses Klangideals ist auch für Felix Schwartz der Angelpunkt aller Bemühungen. »Wir ziehen uns durch die Akademie den Nachwuchs quasi selbst heran«, erklärt der langjährige Solobratscher der Kapelle. Und das geschieht auf Augenhöhe.
Als Wunderkammer mit Bodenhaftung sieht nicht zuletzt Orchestermanager Thomas Küchler die Akademie – schon aus pragmatischen Gründen. Fällt jemand etwa wegen Krankheit aus, muss Küchler kurzfristig Ersatz beschaffen. Indes: »Das Angebot von Aushilfen, die zur Staatskapelle passen, ist nicht sehr groß«. So greift er lieber auf hausgemachte Talente zurück, die bereits ein Gespür für die über Generationen hinweg tradierten Musizierideale der Kapelle entwickelt haben. Wie immer man diese Ideale im Detail beschreiben mag, die Stipendiaten profitieren in jedem Fall von ihnen: Wer den Praxistest Unter den Linden erfolgreich absolviert, braucht sich um die berufliche Zukunft nicht mehr ernstlich zu sorgen.
Letztlich gewinnen beide Seiten: Die jungen Musiker erleben die ganz eigene Atmosphäre und das individuelle Flair, die an einem Haus wie der Lindenoper herrschen, während die Staatskapelle und ihr Chefdirigent die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses fördern – von Instrumentalisten, die in Kürze vielleicht selbst als Stammkräfte an den Orchesterpulten sitzen werden, die in die technischen Abläufe eingearbeitet sind und vertraut mit den Besonderheiten des Klanges, der im Laufe der Geschichte gewachsen ist und weiter kultiviert wird.
Fast alle ehemaligen Akademisten konnten bei namhaften Orchestern andocken. Ihre Spuren finden sich bei den Wiener Philharmonikern wie bei der Staatskapelle Dresden, beim Gewandhausorchester Leipzig wie bei den Orchestern des Bayerischen Rundfunks und der Bayerischen Staatsoper in München. Qualität setzt sich eben durch.
AKADEMISTEN 2011|2012
Katharina Overbeck
Elsa Claveria
Agata Policinska
Alexandra Maria Schuck
Kinneret Sieradzki
Yunna Shevchenko
Ansgard Srugies
Krzysztof Specjal
Josephine Range
Pavel Verba
Stella-Lucia Dahlhoff
Noa Chorin
Beatriz Linares
Michael Naebert
Ulrich Zeller
Stephanie Wilbert
Cristina Gómez
Franziska Hofmann
Florencia Fogliati
Irene Lopez
Johannes Bartmann
Dominik Hauer
Sebastian Hahn
Rosa Diaz Cótan
DIE DEN BOGEN RAUS HABEN – DIE ORCHESTERAKADEMIE DER STAATSKAPELLE ALS NACHWUCHSPFLEGE
von Albrecht Thiemann, Opernwelt
Professionell den Bogen spannen, ins Horn stoßen oder auf die Pauke hauen können viele. Dreiundzwanzig Musikhochschulen und Konservatorien gibt es derzeit in der Bundesrepublik. Von den rund 17.000 Studentinnen und Studenten, die dort immatrikuliert sind, lernt etwa die Hälfte ein Orchesterinstrument. Mehr als genug, um den Nachwuchsbedarf der 135 öffentlich unterstützten Klangkörper in Deutschland zu decken. Sollte man meinen.
Doch nicht nur jene philharmonischen Großformationen, die in der Champions League spielen, sind dazu übergangen, potenzielle Novizen für die eigenen Reihen nicht von der Hochschulbank weg zu rekrutieren, sondern zunächst einem eigenen Praxistest zu unterziehen – in einer »Orchesterakademie«, die hoch begabten jungen Musikerinnen und Musikern eine Art Aufbaustudium unter verschärften Realbedingungen bietet. Die vielfach bestätigte Erfolgsidee dieser Akademien lässt sich auf eine simple Formel bringen: »learning by doing«. Zwar erhält, wer das Probespiel für einen der begehrten Plätze besteht, auch Einzelunterricht durch erfahrene Instrumentalisten; doch der Hauptzweck der Übung besteht darin, in die delikate, fragile, komplexe Kultur des Ensemblespiels einzuführen – im Konzert wie im Opernalltag, in Kammerbesetzung wie in voller Mahler- oder Strauss-Stärke.
Seit 1997 unterhält auch die Staatskapelle Berlin eine Orchesterakademie. Sie wurde von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Mitgliedern der Kapelle gegründet, um geeigneten Musikhochschulabsolventen mit einem zweijährigen Stipendium die Möglichkeit zu geben, sich mit Arbeit und Alltag eines Spitzenorchesters aus der Pult-Perspektive vertraut zu machen. Die Akademie wird von einem gemeinnützigen Verein getragen, dessen Vorsitz die Vorsitzende des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses von Berlin Alice Ströver inne hat. Rund einhundert Eleven haben die Akademie bisher durchlaufen.
Heute ist die Akademie das wohl wichtigste Kapital, wenn die Besetzung vakanter Stellen ansteht: Über zwanzig »Ehemalige« hat die Staatskapelle bislang übernommen, Tendenz steigend. Fabian Schäfer zum Beispiel. Der junge Oboist (Jahrgang 1978) nutzte von 2003 bis 2005 die Chance, als einer von damals zweiundzwanzig Stipendiaten das Innenleben des Orchesters kennen zu lernen. Mit dem Traumergebnis, dass er anschließend gleich die Solo-Position in seiner Instrumentengruppe angeboten bekam. »Ich konnte mich während dieser Zeit ganz allmählich an den besonderen Klang der Staatskapelle herantasten«, schwärmt Schäfer. »Mein Ton ist dunkler, weicher, farbiger geworden, er fügt sich nun in den vollen, organischen Mischklang ein, der die Staatskapelle auszeichnet und sie von anderen Orchestern unterscheidet.«
Die Vermittlung dieses Klangideals ist auch für Felix Schwartz der Angelpunkt aller Bemühungen. »Wir ziehen uns durch die Akademie den Nachwuchs quasi selbst heran«, erklärt der langjährige Solobratscher der Kapelle. Und das geschieht auf Augenhöhe.
Als Wunderkammer mit Bodenhaftung sieht nicht zuletzt Orchestermanager Thomas Küchler die Akademie – schon aus pragmatischen Gründen. Fällt jemand etwa wegen Krankheit aus, muss Küchler kurzfristig Ersatz beschaffen. Indes: »Das Angebot von Aushilfen, die zur Staatskapelle passen, ist nicht sehr groß«. So greift er lieber auf hausgemachte Talente zurück, die bereits ein Gespür für die über Generationen hinweg tradierten Musizierideale der Kapelle entwickelt haben. Wie immer man diese Ideale im Detail beschreiben mag, die Stipendiaten profitieren in jedem Fall von ihnen: Wer den Praxistest Unter den Linden erfolgreich absolviert, braucht sich um die berufliche Zukunft nicht mehr ernstlich zu sorgen.
Letztlich gewinnen beide Seiten: Die jungen Musiker erleben die ganz eigene Atmosphäre und das individuelle Flair, die an einem Haus wie der Lindenoper herrschen, während die Staatskapelle und ihr Chefdirigent die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses fördern – von Instrumentalisten, die in Kürze vielleicht selbst als Stammkräfte an den Orchesterpulten sitzen werden, die in die technischen Abläufe eingearbeitet sind und vertraut mit den Besonderheiten des Klanges, der im Laufe der Geschichte gewachsen ist und weiter kultiviert wird.
Fast alle ehemaligen Akademisten konnten bei namhaften Orchestern andocken. Ihre Spuren finden sich bei den Wiener Philharmonikern wie bei der Staatskapelle Dresden, beim Gewandhausorchester Leipzig wie bei den Orchestern des Bayerischen Rundfunks und der Bayerischen Staatsoper in München. Qualität setzt sich eben durch.
AKADEMISTEN 2011|2012
1. Violine
Katharina Overbeck
Elsa Claveria
Agata Policinska
Alexandra Maria Schuck
Kinneret Sieradzki
2. Violine
Yunna Shevchenko
Ansgard Srugies
Krzysztof Specjal
Bratschen
Josephine Range
Pavel Verba
Violoncello
Stella-Lucia Dahlhoff
Noa Chorin
Beatriz Linares
Kontrabass
Michael Naebert
Ulrich Zeller
Flöte
Stephanie Wilbert
Oboe
Cristina Gómez
Klarinette
Franziska Hofmann
Fagott
Florencia Fogliati
Horn
Irene Lopez
Trompete
Johannes Bartmann
Posaune
Dominik Hauer
Schlagzeug
Sebastian Hahn
Harfe
Rosa Diaz Cótan



