Das Rheingold
Oper von Richard Wagner
Musikalische Leitung
Inszenierung
Guy Cassiers
Bühnenbild
Guy CassiersEnrico Bagnoli
Kostüme
Tim Van Steenbergen
Licht
Enrico Bagnoli
Video
Arjen KlerkxKurt D'Haeseleer
Choreographie
Sidi Larbi Cherkaoui
Dramaturgie
Michael P. SteinbergDetlef Giese
Wotan
Donner
Froh
Loge
Fricka
Freia
Erda
Alberich
| 17 Okt 2010 | | 19.00 Uhr | ausverkauft > Premiere
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| 20 Okt 2010 | | 19.30 Uhr | Karten 126 | 105 | 90 | -- | -- EUR![]()
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| 23 Okt 2010 | | 19.30 Uhr | Karten 126 | 105 | 90 | -- | -- EUR
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| 27 Okt 2010 | | 19.30 Uhr | Karten 126 | 105 | 90 | 63 | -- EUR
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| 31 Okt 2010 | | 18.30 Uhr | Karten 126 | 105 | -- | -- | -- EUR > zum letzten Mal in dieser Spielzeit
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Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit dem Teatro alla Scala di Milano
VORWORT
Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DES UMBRUCHS
Guy Cassiers und Erwin Jans über DAS RHEINGOLD
In einer mythischen Landschaft, die von Göttern, Zwergen, Riesen, Drachen und Helden bevölkert ist, entwirft Wagner das allegorische Bild einer Zeit, die gar nicht so verschieden von unserer ist, in der vertraute Sicherheiten und der Glaube an Beständigkeit mehr und mehr verloren gehen, während neue Bedeutungsinhalte überhaupt erst noch aufkommen müssen. Was mich inspiriert hat, sind all jene Fragen, die vom umfassenden Globalisierungsprozess evoziert werden: das proklamierte Ende von Politik und Geschichte, die Flut von nicht mehr zu verarbeitenden Informationen und Bildern, die weltanschaulichen Verwerfungen, die Bedrohung durch Fanatismus und Fundamentalismus und die Suche nach Sicherheit und Spiritualität.
In einer Wirklichkeit, die gleichermaßen verwirrend und unverständlich ist, wundert es nicht, dass sich Menschen an primäre, scheinbar stabile Identitäten klammern: ethnische, religiöse, territoriale und nationalistische. Um die ungesicherte Identität eines »Wir« gegenüber den »Anderen« zu schützen, wird ein Feindbild entworfen: Der Andere wird seiner Menschlichkeit beraubt und in einen unpersönlichen Gegner verwandelt. Entfremdung wird zum Normalzustand.
Die Idealvorstellung entfernt sich immer mehr von der Realität. Da das ideale Ziel unerreichbar ist, tendiert man mehr und mehr zum Virtuellen, zum Nichts, zu Vergessen und Verschwinden. Oder aber man lässt zu, sich von heiligen Wahrheiten leiten zu lassen, die weit außerhalb von einem selbst liegen, indem man Sprache (oder Gesetze, Religion) zu wörtlich nimmt oder sich einem Objekt unterwirft (Gold, Schwert, Öl). Verunsicherung, Verdächtigungen, ideologischer Starrsinn, Konservatismus, Angst und Gewalt sind typische Reaktionen in Zeiten von Umbrüchen und Veränderungen. Und gleichzeitig gibt es die Sehnsucht nach einem Erlöser, einem Guru, einem Helden, einer integren Persönlichkeit: ein Politiker, der über allen politischen Streit erhaben ist, ein reiner, nicht korrumpierbarer Führer als Inkarnation der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Obwohl die Figuren nur Illusionen hinterherjagen, mindert das nicht ihre Hingabe und ihre Leidenschaft. Im Gegenteil: Ambition, Machtgier, Geiz, Liebe, Verlangen, Neid, Verzweiflung, Treue – der Ring umfasst das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle. Und Schein-Werte werden erfolgreicher durchgesetzt und mit größerem Eifer verfolgt als das, was wirklich wertvoll ist. Vielleicht ist es ja genau diese besondere Vorliebe, die die Figuren des RHEINGOLDS zu echten Zeitgenossen von uns macht.
Guy Cassiers und Erwin Jans über DAS RHEINGOLD
In einer mythischen Landschaft, die von Göttern, Zwergen, Riesen, Drachen und Helden bevölkert ist, entwirft Wagner das allegorische Bild einer Zeit, die gar nicht so verschieden von unserer ist, in der vertraute Sicherheiten und der Glaube an Beständigkeit mehr und mehr verloren gehen, während neue Bedeutungsinhalte überhaupt erst noch aufkommen müssen. Was mich inspiriert hat, sind all jene Fragen, die vom umfassenden Globalisierungsprozess evoziert werden: das proklamierte Ende von Politik und Geschichte, die Flut von nicht mehr zu verarbeitenden Informationen und Bildern, die weltanschaulichen Verwerfungen, die Bedrohung durch Fanatismus und Fundamentalismus und die Suche nach Sicherheit und Spiritualität.
In einer Wirklichkeit, die gleichermaßen verwirrend und unverständlich ist, wundert es nicht, dass sich Menschen an primäre, scheinbar stabile Identitäten klammern: ethnische, religiöse, territoriale und nationalistische. Um die ungesicherte Identität eines »Wir« gegenüber den »Anderen« zu schützen, wird ein Feindbild entworfen: Der Andere wird seiner Menschlichkeit beraubt und in einen unpersönlichen Gegner verwandelt. Entfremdung wird zum Normalzustand.
Die Idealvorstellung entfernt sich immer mehr von der Realität. Da das ideale Ziel unerreichbar ist, tendiert man mehr und mehr zum Virtuellen, zum Nichts, zu Vergessen und Verschwinden. Oder aber man lässt zu, sich von heiligen Wahrheiten leiten zu lassen, die weit außerhalb von einem selbst liegen, indem man Sprache (oder Gesetze, Religion) zu wörtlich nimmt oder sich einem Objekt unterwirft (Gold, Schwert, Öl). Verunsicherung, Verdächtigungen, ideologischer Starrsinn, Konservatismus, Angst und Gewalt sind typische Reaktionen in Zeiten von Umbrüchen und Veränderungen. Und gleichzeitig gibt es die Sehnsucht nach einem Erlöser, einem Guru, einem Helden, einer integren Persönlichkeit: ein Politiker, der über allen politischen Streit erhaben ist, ein reiner, nicht korrumpierbarer Führer als Inkarnation der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Obwohl die Figuren nur Illusionen hinterherjagen, mindert das nicht ihre Hingabe und ihre Leidenschaft. Im Gegenteil: Ambition, Machtgier, Geiz, Liebe, Verlangen, Neid, Verzweiflung, Treue – der Ring umfasst das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle. Und Schein-Werte werden erfolgreicher durchgesetzt und mit größerem Eifer verfolgt als das, was wirklich wertvoll ist. Vielleicht ist es ja genau diese besondere Vorliebe, die die Figuren des RHEINGOLDS zu echten Zeitgenossen von uns macht.




