Die Walküre

Erster Tag des Bühnenfestspiels

Der Ring des Nibelungen (1870)

Text und Musik von

Richard Wagner

Ein menschliches Zwillingspaar, das sich in Liebe zugetan ist, ein göttliches Ehepaar, dessen Streit an den Grundfesten der eigenen Existenz rührt, dazu eine heroische Tochter, die sich dem Willen des Vaters widersetzt und dafür zu büßen hat – all das gehört zur komplexen Figurenkonstellation von Wagners »Walküre«. Mit Siegmund und Sieglinde beginnt der »Ring« gleichsam noch einmal neu, getaucht in eindrucksvolle Musik.

Der erste Tag der »Ring«-Tetralogie bringt erstmals die Menschen in die große mythische Erzählung hinein, mit ihrem besonderen Denken und Fühlen. Unbezähmbare Leidenschaften wirken, in Worten wie in Klängen ihren Ausdruck findend. Das Orchester vergegenwärtigt äußerst plastisch die seelischen Regungen, von denen die Figuren erfüllt sind und schafft auf diese Weise einen wahren »Beziehungszauber« zwischen dem Gesagten, dem Gemeinten und dem Erklingenden. Die großen Zwiegespräche bzw. -gesänge, zwischen Siegmund und Sieglinde, Wotan und Fricka, Brünnhilde und Siegmund sowie Wotan und Brünnhilde, gipfelnd im »Feuerzauber«, gehören sicher zum Eindringlichsten, was für die Opernbühne gedichtet und komponiert worden ist. Mit der 1856 fertig gestellten »Walküre« ist Wagner ein Werk gelungen, das sowohl seinen speziellen ästhetischen Leitlinien entspricht als auch das Publikum durch seine immense expressive Kraft immer wieder unmittelbar ergreift.

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VORGESCHICHTE
Der Ring, den der Nibelung Alberich aus dem Rheingold geschmiedet hat und der unendliche Macht verleiht, ist in den Besitz des Riesen Fafner gelangt. In Gestalt eines gewaltigen Lindwurms hütet Fafner den Ring zusammen mit dem Schatz der Nibelungen in einer Höhle inmitten eines abgelegenen Waldes. Sowohl der Gott Wotan als auch der Nibelung Alberich trachten danach, den Ring in ihren Besitz zu bringen. Alberich hat, obwohl er der Liebe entsagte, um den Ring schmieden zu können, einen Sohn gezeugt, mit dessen Hilfe er sein Vorhaben verwirklichen will. Wotan wiederum versucht auf doppelte Weise sich gegen die von Alberich ausgehende Gefahr zu schützen und seine erworbene Machtposition zu sichern: Die neun Walküren, die ihm die allwissende Göttin Erda geboren hat, sammeln auf der Burg Walhall die Körper und Seelen von gefallenen Kämpfern, die Wotan beim Streit gegen Alberichs Heer unterstützen sollen. Außerdem schuf er sich einen »freien Helden«, der ungebunden durch die von Wotan geschlossenen Verträge agieren und dem Gott den Ring zurück gewinnen kann. Als »Wälse« wurde Wotan zum Vater eines Zwillingspaars, Siegmund und Sieglinde, die als Kinder voneinander getrennt wurden und sich nun wieder begegnen.

ERSTER AKT
Im Inneren von Hundings Wohnhütte
Während eines heftigen Gewitters sucht der verwundete Siegmund Zuflucht in einer Behausung, die um eine mächtige Esche herum gebaut ist. Vollkommen erschöpft sinkt er am Herd nieder. Sieglinde erblickt den waffenlosen Mann und gibt ihm zu trinken. Zwischen ihnen entwickelt sich sofort große Sympathie. Trotzdem will Siegmund, nachdem er sich erholt hat, das Haus umgehend wieder verlassen, wird von Sieglinde aber zurückgehalten.
Sieglindes Gatte Hunding erscheint. Misstrauisch fragt er den Fremden nach seinem Namen und seiner Herkunft. Aus Siegmunds Erzählung entnimmt er, dass dieser derjenige ist, den er und seine Mannen verfolgt und bis hierher gehetzt haben. Für diese Nacht gibt Hunding ihm Gastrecht, für den nächsten Morgen jedoch fordert er ihn zum Zweikampf.
Nachdem Hunding und Sieglinde den Saal verlassen haben, reflektiert Siegmund seine Situation, waffenlos in die Hände des Feindes gefallen zu sein. Er erinnert sich, dass sein Vater Wälse ihm ein Schwert versprochen habe, sollte er einst in höchste Not geraten. Im Stamm der Esche erblickt er eine Waffe – bis zum Schaft steckt sie dort fest. Sieglinde kommt hinzu; sie hat Hunding einen Schlaftrunk verabreicht. Sie bittet Siegmund, rasch zu fliehen, dieser sucht jedoch die Nähe Sieglindes. Sieglinde berichtet dem Fremden, der sich zunächst als »Wehwalt« ausgegeben hat, von ihrer unglücklichen Vermählung und von einem geheimnisvollen alten Mann, der bei der Feier erschien und vor allen Gästen ein Schwert in die Esche stieß: Derjenige solle die Waffe sein eigen nennen, dem es glückt, sie aus dem Stamm zu ziehen. Keinem ist dies bislang gelungen, dem Fremden, der eine enorme Faszination auf sie ausübt, traut Sieglinde das jedoch zu. Plötzlich schlägt die Tür der Hütte auf – in einem Moment voller Magie hat sich der Frühling Bahn gebrochen. Siegmund und Sieglinde erkennen ihre Liebe zueinander. Siegmund gibt nun auch seinen richtigen Namen preis: Als Sohn von Wälse ist es ihm bestimmt, das Schwert Notung aus der Esche zu ziehen. Sieglinde eröffnet ihm, seine verloren geglaubte Zwillingsschwester zu sein. Gemeinsam stürmen sie ins Freie. 

ZWEITER AKT
Wildes Felsengebirge
Wotan, der über das Geschehen im Bilde ist, fordert seine Lieblingstochter Brünnhilde auf, für Siegmund gegen Hunding Partei zu ergreifen und dem Wälsung zum Sieg zu verhelfen. Seine Gattin Fricka stimmt ihn jedoch um: Sie macht ihm deutlich, dass Siegmund keineswegs frei handelt, sondern ganz nach dem Willen Wotans. Aus tiefer Sorge um den Fortbestand der Götter trotzt sie Wotan das Versprechen ab, Siegmund im Kampf nicht zu schützen – durch die Hand Hundings soll er sterben.
Nach Frickas Abgang wird sich Wotan seiner Lage bewusst: Er ist in ein schier unentwirrbares Geflecht von Abhängigkeiten, Zwängen und Wünschen geraten. In einer großen Erzählung berichtet er Brünnhilde von seinen Gedanken und Taten, vom Ring des Nibelungen und von der drohenden Gefahr des Untergangs der Götter. Er sieht keinen anderen Ausweg, als Frickas Willen zu erfüllen. An Brünnhilde ergeht die strikte Weisung, für Hunding zu streiten, anderenfalls würde sie seinen Zorn zu spüren bekommen. 
Brünnhilde bleibt allein zurück, traurig und voller Gedanken. Siegmund erscheint mit Sieglinde: Seit vielen Stunden sind sie auf der Flucht vor Hunding. Da Sieglinde offensichtlich nicht mehr weiter kann, beschließt Siegmund, an dieser Stelle Hunding zum Kampf zu erwarten. Brünnhilde kündigt ihm seinen baldigen Tod an – wie andere Helden auch wird sie ihn nach Walhall bringen. Als Siegmund von ihr erfährt, dass er Sieglinde dort nicht treffen wird, verweigert er sich seinem Schicksal: Lieber würde er seine Schwester und sich selbst opfern als von ihr getrennt zu werden. Gerührt von der tiefen Liebe Siegmunds zu Sieglinde entscheidet sich Brünnhilde dafür, dem Befehl Wotans zuwider zu handeln: Die beiden Wälsungen sollen leben.
Aus der Ferne ist Hundings Horn zu hören. Er hat Siegmund und Sieglinde verfolgt und ist nun zum Kampf bereit. Brünnhilde unterstützt Siegmund, dessen Schwert Notung aber zerschellt am Speer Wotans, der unerwartet hinzukommt. Siegmund wird von Hunding erschlagen, dieser wiederum fällt nach einem verächtlichen Wink Wotans tot zu Boden. Brünnhilde hat sich sofort nach dem Kampf mit Sieglinde auf die Flucht begeben; Wotan eilt ihr nach, um sie für ihr Vergehen hart zu bestrafen.

DRITTER AKT
Auf dem Gipfel eines Felsenberges
Die Walküren versammeln sich, um die im Kampf getöteten Helden nach Walhall zu bringen. Als letzte von ihnen erscheint Brünnhilde: Vergeblich bittet sie ihre Schwestern, Sieglinde und sie selbst vor dem Zorn Wotans zu schützen. Da keine der Walküren bereit ist, bei der Flucht zu helfen, schickt Brünnhilde Sieglinde allein Richtung Osten: In dem sich dort erstreckenden dunklen Wald, in dem der Drache Fafner haust, sei sie sicher vor Wotan. Sieglinde fasst neuen Mut, als sie von Brünnhilde erfährt, mit dem »hehrsten Helden der Welt« schwanger zu sein. 
Brünnhilde stellt sich der Wut Wotans, der den Walkürenfelsen erreicht hat. Ihren Ungehorsam soll sie mit dem Verlust ihrer Göttlichkeit büßen. Zudem soll sie, in Schlaf versetzt, auf dem Felsen zurückbleiben, jedem Mann zur leichten Beute. Erschreckt verlassen die acht Walküren Wotan und Brünnhilde.
Eindringlich beschwört Brünnhilde ihren Vater, seine Entscheidung abzuändern. Sie macht ihm deutlich, dass er sich von Fricka und von äußeren Zwängen dazu verleiten ließ, entgegen seinem ursprünglichen Wunsch Siegmund nicht beizustehen. Wotans Zorn weicht einem tiefen Verständnis für Brünnhilde: Bewegt nimmt er Abschied von ihr. Wotan versenkt sie in Schlaf, umgibt sie aber mit einem Flammenring, den nur der zu durchschreiten vermag, der seinen Speer nicht fürchtet.

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