Götterdämmerung

Dritter Tag des Bühnenfestspiels

Der Ring des Nibelungen (1876)

Text und Musik von

Richard Wagner

»Ein düsterer Tag dämmert den Göttern« – das hatte Erda im »Rheingold« dem Göttervater Wotan prophezeit. Die tiefe Sorge, die ihn daraufhin ergriffen hatte, sollte ihn nicht mehr loslassen. Der groß angelegte »Ring«-Mythos kommt zu seinem Ende, mündend in einer Katastrophe, die aber die Möglichkeit eröffnet, neu zu beginnen. Die Helden sterben und werden betrauert, die Zukunft wird ohne sie auskommen.

Mit der »Götterdämmerung«, im Herbst 1874 vollendet, kam das epochale Projekt des »Rings« nach mehr als einem Vierteljahrhundert zu seinem Abschluss. Im Rahmen der ersten Bayreuther Festspiele im Sommer 1876 wurde der gesamte Zyklus dann erstmals der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Wagner selbst hatte es mehrfach nicht für möglich gehalten, dieses gigantische Vorhaben zu verwirklichen, über einen solch langen Zeitraum und diverse Krisen hinweg. In der »Götterdämmerung«, dem großen Finale, in dem die losen Enden der Erzählung zusammengeführt werden und sich die Schicksale der Protagonisten erfüllen, zeigt sich Wagners Kompositionskunst auf bislang nicht erreichter Höhe. In nahezu jedem Moment sind verschiedene Klang- und Sinnebenen übereinander geschichtet und miteinander verknüpft, in einer beispiellosen Fülle und Dichte. Das Individuelle weitet sich ins Allgemeine: Die Geschichten der Götter und Menschen, der Nibelungen und der Naturwesen, stehen exemplarisch für Wagners Zeit – und auch für unsere eigene Gegenwart. Der Mythos ist fertig erzählt und lässt doch viele Fragen offen.

Termine

Ring-Zyklus II Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
Die Ring-Vorstellungen sind nur als ganzer Zyklus buchbar. Zum Package-Kauf im Webshop für den Zyklus 2
Dauer: ca. 5:25 h inklusive zwei Pausen nach dem 1. und 2. Akt
Sprache: In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Vorwort 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Referent: Detlef Giese

Besetzung

Medien

Handlung

PROLOG
Auf dem Walkürenfelsen
Bei Nacht rufen die weissagenden Nornen das vergangene Geschehen und die Gegenwart in Erinnerung. Der Gott Wotan hatte einst einen Ast aus der Weltesche geschnitten, um sich daraus einen Speer zu fertigen, auf den seine Macht und Herrschaft gründet. Jüngst kehrte er mit den zerbrochenen Stücken seines Speers zurück. Resigniert befahl er seinen Kriegern, die inzwischen verdorrte Esche zu fällen und das Holz zu einem riesigen Scheiterhaufen um die Götterburg Walhall herum aufzuschichten. Eines Tages, so ein Zukunftsblick der Nornen, wird der Feuergott Loge mit seinen Flammen Walhall und das Göttergeschlecht vernichten. Mehr können die Nornen jedoch nicht prophezeien: Die Geschichte vom Raub des Rheingolds durch Alberich und der von ihm verfluchte Ring kommen ihnen noch dunkel in den Sinn, bevor der Schicksalsfaden, dem sie ihr Wissen verdanken, reißt. Die Nornen steigen in den Schoß der Welt zu ihrer Mutter Erda hinab.
Nach Anbruch des Tages treten Brünnhilde und Siegfried aus der Felsenhöhle, wo sie gemeinsam die Nacht verbracht haben. Siegfried drängt es zu neuen Heldentaten, Brünnhilde kann und will ihn nicht aufhalten. Als Pfand seiner Liebe gibt Siegfried ihr den Ring, den er dem Hort des erschlagenen Lindwurms Fafner entnommen hat, ohne dass er etwas von dessen Kraft weiß. Als Gegengabe vertraut ihm Brünnhilde ihr Walkürenross Grane an. Siegfried macht sich auf den Weg den Rhein hinauf.

ERSTER AKT
Die Halle der Gibichungen am Rhein
Das Geschwisterpaar Gunther und Gutrune sowie deren Halbbruder Hagen reflektieren über den Zustand des Gibichungengeschlechts. Hagen sorgt sich um dessen Fortbestand, sind doch Gunther und Gutrune noch unvermählt. Er rät zu baldiger Heirat: Gunther solle Brünnhilde freien, die auf einem von Feuer umgebenden Berggipfel schläft, bis dass sie ein Held erweckt; Gutrune hingegen solle Siegfried an sich binden, der allein imstande ist, die Flammenwand zu durchbrechen. Ein Zaubertrank, der die Erinnerung löscht und gleichzeitig Liebesbegehren auslöst, wird dabei helfen können. Hagens Plan, dass Siegfried für Gunther die Braut erringt und dafür die Hand Gutrunes erhält, findet die Zustimmung von Bruder und Schwester.
Hagen ist sich sicher, dass Siegfried auf seiner Fahrt durch die Welt auch zu den Gibichungen kommen wird. Seine Ahnung sieht er bestätigt, als er das Schiff des Helden auf dem Rhein entdeckt. Hagen ruft Siegfried und weist ihm den Weg zur Halle, Gunther heißt ihn dort willkommen. Gutrune reicht ihm den Trank, mit dem Siegfried auf der Stelle Brünnhilde vergisst und sich in Gutrune verliebt. Um sie zu gewinnen, würde er alles tun. Gunther erzählt ihm von seinem Wunsch, sich mit Brünnhilde zu vermählen; Siegfried bietet ihm seine Hilfe an. Sie trinken Blutsbrüderschaft: Mit diesem Schwur, der bei Treuebruch den Tod verlangt, wird die Abmachung besiegelt. Hagen hält sich heraus, verfolgt er doch seine eigenen Pläne. Solange Gunther und Siegfried, die sich sofort zum Walkürenfelsen aufmachen, unterwegs sind, bewacht er die Halle der Gibichungen. Der nichtsahnende Siegfried wird die eigene Braut hierher führen – und mit ihr auch den Ring.
Auf dem Walkürenfelsen
Brünnhilde, deren Gedanken ganz bei Siegfried sind, vernimmt bekannte Laute: Ihr Schwester Waltraute, eine der Walküren, erscheint und berichtet vom traurigen Zustand der Götter, die in Walhall auf ihr Ende warten. Heimlich hat sie sich zu Brünnhilde aufgemacht, um von ihr den Ring zu erbitten: Wenn dieser den Rheintöchtern zurückgegeben werde, wären die Welt und die Götter von Alberichs Fluch erlöst. Brünnhilde aber, die zunächst hoffte, dass Wotan ihr verziehen hätte, weigert sich, den Ring herzugeben – von Siegfrieds Liebespfand könne sie sich keinesfalls trennen. Verzweifelt eilt Waltraute wieder zurück nach Walhall.
Aus der Ferne klingt Siegfrieds Hornruf zu Brünnhilde. Voller Begeisterung stürmt sie ihm entgegen, erschrickt jedoch, als sie einen anderen Mann vor sich sieht. Durch den Zauber des Tarnhelms hat Siegfried die Gestalt von Gunther angenommen, ist durch das Feuer gebrochen und fordert nun Brünnhilde im Namen Gunthers zur Frau. Brünnhilde sucht sich zu wehren, vermag aber gegen Siegfrieds Kraft nichts auszurichten: Er entreißt ihr den Ring und zwingt sie, im Felsengemach sich mit ihm zu vermählen. Zum Zeichen jedoch, dass er Gunther nicht betrügen will, wird er zwischen sich und Brünnhilde sein Schwert Notung legen.

ZWEITER AKT
Die Halle der Gibichungen, wie zu Beginn des ersten Aktes
Der Nibelung Alberich hat sich bei Nacht zu seinem Sohn Hagen geschlichen. Er erinnert den Schlafenden, der Alberichs Worte dennoch wahrnimmt und auf sie reagiert, an seinen Auftrag: Er soll ihm den Ring, als dessen rechtmäßiger Herr sich Alberich immer noch sieht, zurückgewinnen. Es gelte, Siegfried zu verderben, um wieder an den Reif, der unendliche Macht verleiht, zu gelangen. Hagen schwört, mehr sich selbst als seinem Vater, das schon begonnene Werk zu vollenden. 
Siegfried ist Gunther und Brünnhilde vorausgeeilt. Schon bei Tagesanbruch ist er mithilfe des Tarnhelms zur Gibichungenhalle zurückgekehrt und berichtet Hagen und Gutrune von der Fahrt und dem Freien der Braut. Gutrune ängstigt sich vor Siegfried, dieser zerstreut jedoch ihre Befürchtungen. Er wolle ausruhen, bevor aber das Schiff mit Gunther und Brünnhilde anlandet, möge alles zur Doppelhochzeit vorbereitet werden.
Hagen ruft die Mannen zusammen. Das Fest soll mit aller Pracht ausgerichtet werden, Brünnhilde solle mit aller gebotenen Ehre am Gibichungenhof empfangen werden. Sollte ihr jedoch ein Leid zustoßen, dürfe man nicht zögern, Rache zu üben. 
Von den Mannen und Frauen begrüßt, erscheint Gunther mit Brünnhilde, Siegfried und Gutrune treten als zweites Paar hinzu. Brünnhilde erschrickt, als sie Siegfried, der sie nicht erkennt, an der Seite einer ihr fremden Frau gegenübersteht. Als sie zudem den Ring an seiner Hand entdeckt, ist sie davon überzeugt, betrogen worden zu sein. Vor allem Volk klagt Brünnhilde Siegfried des Treuebruchs an. Siegfried fühlt sich unschuldig, auch möchte er Gunther nicht in Verlegenheit bringen. Auf Hagens Speerspitze schwören erst Siegfried und dann Brünnhilde einen Eid: Entweder hat Siegfried seinem Blutsbruder Gunther die Treue gehalten oder er hat ihn ehrlos verraten. Nur mit Mühe gelingt es Siegfried, die Menge zu beruhigen, indem er die Gesellschaft auffordert, zum Hochzeitsmahl zu kommen.
Nur Brünnhilde, Gunther und Hagen bleiben zurück. Brünnhilde sieht sich getäuscht, kann das Rätsel aber nicht lösen. Hagen bietet ihr seine Waffe an: Mit seinem Speer könne er Siegfrieds Meineid rächen. Brünnhilde verrät ihm eine Stelle am Rücken, an der Siegfried einzig verwundbar ist. Gunther, der sich als Betrüger, aber auch als Betrogener fühlt, wird in den Racheplan eingeweiht: Siegfrieds Tod, der für alle drei unausweichlich ist, soll als Jagdunfall getarnt werden. 

DRITTER AKT
Waldige Gegend am Rhein
Die angekündigte Jagd hat begonnen. Siegfried, bislang noch ohne Beute, ist zum Ufer des Rheins gelangt. Dort begegnet er den Rheintöchtern – jenen drei Wassernixen, denen Alberich vor langer Zeit das Rheingold geraubt hat, um daraus den Ring zu schmieden. Als die Rheintöchter bemerken, dass Siegfried diesen Ring bei sich trägt, bitten sie ihn darum. Als sie ihm aber prophezeien, dass er noch heute sterben würde, lässt sich Siegfried nicht auf das Angebot ein, den Ring mit einem Stück Wild zu tauschen. Durch Drohungen könne er nicht eingeschüchtert werden, eher würde er Leben und Leib freiwillig von sich werfen.
Die Jagdgesellschaft mit Gunther und Hagen hat Siegfried erreicht. Alles lagert sich zur Rast, Essen und Trinken wird gereicht. Hagen animiert Siegfried dazu, von seinen Taten zu erzählen. Siegfried kommt diesem Wunsch schließlich nach und berichtet von seiner Jugend bei Mime, dem Schweißen seines Schwerts Notung, dem Kampf mit Fafner und den Worten des Waldvogels, die er durch das Blut des erschlagenen Wurmes plötzlich verstehen konnte. Mitten in der Erzählung reicht Hagen ihm einen Trank, der ihm die Erinnerung an Brünnhilde wiederbringen soll. Siegfried, der sich immer mehr in die Berichte von seinen Erlebnissen hineinsteigert, gibt nun kund, wie er auf den Rat des Waldvogels zu Brünnhilde auf den Felsen gelangte, durch das Feuer brach, die schlafende Frau wachküsste und sich mit ihr verband. Hagen, der nur auf einen Beweis von Siegfrieds Untreue gegenüber Gunther gewartet hat, durchbohrt Siegfried mit seinem Speer. Vergeblich bäumt sich dieser noch einmal auf, im Moment des Sterbens sind seine Gedanken nochmals bei Brünnhilde. Ein Trauerzug mit Siegfrieds Leiche setzt sich zur Gibichungenhalle in Bewegung.
Die dort wartende Gutrune hat einen Hornruf vernommen. Voller dunkler Ahnungen erwartet sie die Jagdgesellschaft zurück. Als sie den toten Siegfried gewahrt, glaubt sie sofort an eine Mordtat. Hagen bekennt sich zu ihr: Er habe nur den Meineid gerächt, den Siegfried begangen hat. Hagen fordert für sich den Ring, den auch Gunther beansprucht – nach kurzem Kampf streckt Hagen seinen Halbbruder nieder. Als er jedoch nach dem Ring an Siegfrieds Hand greifen will, hebt sich der Arm des Toten – Hagen weicht zurück.
Brünnhilde betritt die Szene. Sie nimmt den Ring an sich, den sie den Rheintöchtern zurückgeben will, um den Fluch zu brechen. Sie befiehlt, einen Scheiterhaufen zu errichten, für Siegfried und sie selbst. Wotans Raben schickt sie nach Walhall, um dem Gott den erlösenden Untergang anzukündigen. Loge sollen sie auf dem Weg dorthin auffordern, sich auch nach Walhall aufzumachen, um die Götterburg in Brand zu setzen. Brünnhilde entzündet den Scheiterhaufen und reitet mit ihrem Ross Grane in die Flammen. Die Gibichungenhalle stürzt brennend ein, der über seine Ufer tretende Rhein löscht das Feuer jedoch. Im Wasser sieht man die Rheintöchter schwimmen, den Ring in Händen haltend. Hagen, der sich des Ringes bemächtigen will, wird von ihnen in die Tiefe gezogen. Am Himmel erblicken die Menschen einen Feuerschein: Walhall brennt, das Ende der Götter dämmert auf.

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