Siegfried

Zweiter Tag des Bühnenfestspiels

Der Ring des Nibelungen (1876)

Text und Musik von

Richard Wagner

»Von einem der auszog das Fürchten zu lernen« – mit diesem bekannten Märchentitel ließe sich Wagners »Siegfried« gut und gerne überschreiben. Eine neue Generation von Helden, nicht länger mehr an die Götter gebunden und unwissend ob des Bisherigen, erobert sich kraftvoll die Welt. Mut ist jedoch nicht alles, auch Siegfried bekommt das zu spüren – auch er wird Ängste spüren, als Vorgriff auf sein tragisches Ende.

»Der junge Siegfried«, wie der zweite Tag des Bühnenfestspiels ursprünglich heißen sollte, entstand über einen längeren Zeitraum, mit einer mehrjährigen Schaffenspause, in der Wagner andere Großprojekte – den »Tristan« und die »Meistersinger« realisierte. Nach der Vollendung des zweiten Akts 1857 ruhte die Arbeit an der Partitur, um erst zwölf Jahre später wieder aufgenommen zu werden. Wagners Stil hatte sich verändert – und so wirkt der dritte »Siegfried«-Akt merklich dichter und dunkler, mit vielfachen Verflechtungen der Themen und Motive versehen. Ungebrochen sind Wagners Fantasie und Erfindungsgeist, in der Dichtung wie in der Musik: Offenkundige Dramatik (wie etwa Siegfrieds Kampf mit dem Drachen und das Durchschreiten des Feuers) kommt ebenso zum Tragen wie ausdrucksstarke Lyrismen (im sogenannten »Waldweben«) – und dazu entwickelt das Orchester eine außergewöhnliche Klangintensität und Leuchtkraft, die einmal mehr Wagners Vermögen, mit den besonderen Timbres der Instrumente umzugehen, unter Beweis stellen.

Termine

Ring-Zyklus I
Dauer: ca. 5:20 h inklusive zwei Pausen nach dem 1. und 2. Akt
Sprache: In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Vorwort 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Referent: Detlef Giese

Besetzung

Ring-Zyklus II Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
Dauer: ca. 5:20 h inklusive zwei Pausen nach dem 1. und 2. Akt
Sprache: In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Vorwort 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Referent: Detlef Giese

Besetzung

Medien

Handlung

VORGESCHICHTE
Die schwangere Sieglinde hat im Wald Zuflucht vor dem Zorn des Gottes Wotans gefunden. Dort brachte sie mit Hilfe des Nibelungs Mime Siegfried zur Welt, gezeugt von ihrem Zwillingsbruder Siegmund. Kurz nach der Geburt starb Sieglinde, übergab zuvor jedoch die Stücken des Schwertes Notung, das Wotan (der inzwischen als »Wanderer« die Welt durchstreift) mit seinem Speer zerschlagen hatte, an Mime. Dieser zog Siegfried in seiner Felsenhöhle inmitten des Waldes auf, damit er eines Tages den Riesen Fafner, der in Gestalt eines riesigen Lindwurms den Hort der Nibelungen mitsamt dem Ring und dem Tarnhelm bewacht, erschlage und ihm die Schätze gewinne, die ungeheure Macht verleihen. Das Schwert Notung jedoch, mit dem allein Fafner getötet werden kann, vermag Mime nicht wieder zusammenzufügen. 

ERSTER AKT
Wilde Felsenhöhle im Wald
Mime beklagt seine Lage: Jedes Schwert, das er dem starken Siegfried schmiedet, hält dessen Kraft nicht stand. Nur Notung würde er nicht zerschlagen können, Mime gelingt es aber nicht, den Stahl in der rechten Weise zu bearbeiten. Siegfried kommt aus dem Wald zurück und gerät mit seinem ungeliebten Ziehvater aneinander. Er fragt ihn nach seiner ihm unbekannten Abstammung. Unter Druck geraten gibt Mime Auskunft: Siegfrieds Mutter sei nach seiner Geburt gestorben, während sein Vater im Kampf das Leben verloren habe. Zum Beweis zeigt Mime ihm die Trümmer von Notung, die er von Sieglinde erhalten hat. Siegfried will, dass Mime ihm aus diesen Stücken ein Schwert verfertige, um damit dann in die Welt hinausziehen zu können. Begeistert von dieser Idee stürmt er aus der Höhle.
Der zurückbleibende, zunehmend verzweifelte Mime wird vom Wanderer (Wotan) überrascht. Als Mime sich weigert, ihn als Gast in seiner Behausung aufzunehmen, bietet der Wanderer seinen Kopf als Preis für eine Wissenswette. Die drei Fragen, die Mime ihm stellt, kann er problemlos beantworten. Danach fordert er Mime heraus: Könne dieser nicht ebenfalls drei Rätsel lösen, müsse er sein Leben lassen. Mime bleibt keine Wahl, als darauf einzugehen. Die beiden ersten Fragen bereiten ihm keine Mühe, bei der dritten jedoch, wer das Schwert Notung neu schmieden könne, weiß er nicht weiter. Der Wanderer beantwortet sie: Nur der vermag es, der das Fürchten nicht kennt. Auf die Enthauptung Mimes verzichtet er – sein Kopf gehöre dem, der frei von Furcht ist. 
Nachdem der Wanderer die Höhle verlassen hat, durchfährt Mime eine Schreckensvision: Der Drache Fafner kommt auf ihn zu, ängstlich versteckt er sich. Der zurückkehrende Siegfried fragt nach dem Schwert, das Mime ihm schmieden wollte. Mime hat durch die Worte des Wanderers erkannt, dass er Siegfried verfallen ist, sofern er ihm nicht das Fürchten lehrt. Siegfried, durch Mimes Reden neugierig geworden, verlangt es danach, zuvor jedoch will er sich selbst das gewünschte Schwert schaffen. Er beginnt, die Reste der Waffe zu zerfeilen und den Stahl zu schmelzen. Mime plant, mit Hilfe eines Gifttrankes Siegfried zu ermorden, um nach Fafners Tod an den Ring zu gelangen, der unendliche Macht verleiht. Siegfried schmiedet das Schwert Notung und gibt eine erste Kostprobe seiner Schärfe. 

ZWEITER AKT
Tiefer Wald
Vor Neidhöhle, in der Fafner den Ring und den Nibelungenhort bewacht, wartet Alberich auf den Helden, der den Drachen zu erschlagen imstande ist. Der Wanderer erscheint, der Alberich einst den Ring geraubt hat. Die beiden Widersacher lassen die Geschehnisse der Vergangenheit aufleben. Alberich verlangt es noch immer nach dem Ring, als dessen rechtmäßiger Besitzer er sich sieht, während der Wanderer seine Hoffnung auf Siegfried setzt, der nichts vom Ring und seiner Kraft weiß. Selbst will der Wanderer nicht eingreifen, warnt Alberich jedoch vor dessen Bruder Mime, der Siegfried für seine eigenen Zwecke zu nutzen sucht. Zudem weckt er auch den schlafenden Fafner auf, damit Alberich ihm die von Siegfried drohende Gefahr deutlich mache und ihn zum freiwilligen Verzicht auf den Ring bewege. Fafner indes zeigt sich von den Warnungen unbeeindruckt.
Der Wanderer lässt Alberich in Sorge und Furcht zurück. Mime hat Siegfried zur Neidhöhle geführt und klärt ihn nun über Fafners Waffen und Kampfmethoden auf. Siegfried vertraut auf seine Stärke und Geschicklichkeit sowie auf Notung. Mime wünscht, als er sich (wie zuvor schon Alberich) in den Hintergrund zurückzieht, dass Siegfried und Fafner sich gegenseitig umbringen mögen.
Siegfried, nunmehr allein, lässt die Eindrücke des Waldes auf sich wirken und reflektiert über seine Herkunft. Seine Versuche, den Gesang eines Waldvogels nachzuahmen, scheitern, stattdessen bläst er in sein Horn. Die kräftigen Klänge haben Fafner auf Siegfried aufmerksam gemacht. Beide suchen den Kampf: Siegfried stößt dem Drachen das Schwert Notung ins Herz. Sterbend berichtet ihm Fafner vom Schicksal des Riesengeschlechts, das mit seinem Tod nun zugrunde geht. Durch das Drachenblut, in das Siegfried seine Hand getaucht und das er unwillkürlich gekostet hat, wird es ihm möglich, die Sprache des Waldvogels zu verstehen. Dieser rät ihm, den Ring und den Tarnhelm zu sichern.
Während Siegfried in der Höhle ist, um diese Gegenstände zu holen, erscheinen Mime und Alberich auf der Szene. Beide beanspruchen die Schätze, vor allem den Ring, für sich und geraten darüber in Streit. Der Waldvogel, der erneut zu Siegfried spricht, warnt ihn vor der Falschheit Mimes und dessen Mordplänen. Als Mime Siegfried den Gifttrank als vermeintliche Erfrischung reichen will, verrät er sich. Angeekelt von den Machenschaften seines Ziehvaters erschlägt Siegfried Mime. Den Leichnam wirft er in die Höhle, vor deren Eingang er den toten Lindwurm wälzt. Ein drittes Mal vernimmt er den Waldvogel, der ihm den Weg zur schlafenden Brünnhilde weist. Siegfried folgt ihm zum Walkürenfelsen.

DRITTER AKT
Wilde Gegend am Fuße eines Felsenberges
Erda, die Mutter Brünnhildes und der weissagenden Nornen, wird vom Wanderer aus langem Schlaf erweckt. Von ihr wünscht er zu erfahren, wie er die von ihm offenbar nicht mehr zu steuernde Entwicklung aufhalten soll, die zwangsläufig zum Untergang der Götter führen muss. Erda vermag keine Antwort darauf zu geben – Wotan, der durch seine Taten so viel Unheil angerichtet habe, möge sie nicht weiter befragen. Der Wanderer versenkt Erda wieder in Schlaf; freiwillig wolle er seine Macht Siegfried überlassen. 
Als er diesem direkt begegnet, bereut er jedoch seinen Entschluss. Durch beständiges Fragen versucht er ihn aufzuhalten. Siegfried wird zunehmend ungeduldig und tritt dem Älteren immer respektloser entgegen. Schließlich bedroht der Wanderer ihn mit seinem Speer, der schon einmal das Schwert Notung zerschlagen habe. Siegfried, froh, den Feind seines Vaters getroffen zu haben, kämpft sich den Weg frei: Mit einem Schwertstreich zertrümmert er Wotans Speer, das Symbol seiner Macht. Der Wanderer kann ihn nicht länger aufhalten, Siegfried stürmt durch das lodernde Feuer auf den Gipfel des Walkürenfelsens.
Dort findet er die schlafende Brünnhilde. Zunächst hält er sie für einen Mann; erst als er ihr die Rüstung abnimmt, erkennt er, eine Frau vor sich zu haben. Mit einem Kuss weckt er sie auf. Nach langer Zeit des Schlafs begrüßt Brünnhilde freudig Sonne, Licht und Tag. In Siegfried sieht sie ihren Erretter, an den sie geglaubt und den sie geahnt hat. Zugleich wird ihr bewusst, nunmehr keine Walküre, sondern eine sterbliche Frau zu sein. Eine Zeit lang widersetzt sie sich Siegfrieds Drängen, wird aber letztlich von dessen immer stärker werdenden Leidenschaft überwältigt. Gemeinsam besingen sie mit wachsender Ekstase die »leuchtende Liebe« und den »lachenden Tod«.

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