Nachruf

Ruggiero Orofino

(28. September 1922 – 20. Mai 2021)

Die Staatsoper Unter den Linden trauert um Kammersänger Ruggiero Orofino, der über viele Jahre an unserem Haus engagiert war und hier zahlreiche Partien seines Fachs mit beeindruckender stimmlicher und darstellerischer Präsenz verkörpert hat.
Der aus Barletta in der südöstlichen italienischen Provinz Apulien stammende Tenor begann 1960 im Chor der Mailänder Scala, wo er auch mit ersten kleineren Solopartien betraut wurde. Als Turiddu in »Cavalleria rusticana« debütierte er 1963 am Opernhaus von Cesena, bald aber schon führte ihn sein Weg in die europäischen Opernzentren. In den 1960er Jahren sang Ruggiero Orofino, der eine glänzend disponierte Tenorstimme mit strahlender Höhe sowohl für lyrische wie für dramatische Rollen besaß, u. a. an der Wiener Staatsoper, in Frankreich, Belgien, Italien und an der Deutschen Oper Berlin.
Zwischen 1966 und 1970 trat er mehrfach an der Komischen Oper Berlin auf, ab 1967 war er der Staatsoper Unter den Linden eng verbunden. 1970 kehrte er für die Titelpartie von Verdis »Ernani« an das Teatro alla Scala zurück. Zu seinen großen Erfolgen zählen auch Auftritten als Radames in »Aida« an der Metropolitan Opera New York.
An der Berliner Staatsoper, der er bis zum Ende seiner Karriere 1985 die Treue hielt, wurde er 1976 zum Kammersänger ernannt. Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn am Haus gehörten u. a. Auftritte als Cavaradossi in »Tosca« anlässlich der Premiere der über mehrere Jahrzehnte gespielten Inszenierung von Carl Riha 1976 (an der Seite von Anna Tomowa-Sintow und Theo Adam), als Rodolfo (»La Bohème«), Pinkerton (»Madama Butterfly«), und Kalaf »Turandot«, als Turiddu, Radames und Herzog (»Rigoletto«), aber auch als Alfred in Strauß‘ »Die Fledermaus«, Dmitri in Mussorgskys »Boris Godunow« sowie in den Titelpartien von Verdis »Don Carlo« und Wagners »Lohengrin« setzte er Maßstäbe. Zudem stellte er das hohe Niveau seiner Gesangskunst auch bei Konzerten, bei Fernsehauftritten und im Rundfunk unter Beweis.
Ruggiero Orofino, der aufgrund seiner eminenten künstlerischen Leistungen, seiner Freundlichkeit und Kollegialität überaus geschätzt wurde, ist nun im hohen Alter von 98 Jahren verstorben. Die Staatsoper Unter den Linden wird ihm ehrendes Andenken bewahren.

Die Intendanz