Keine bevorstehenden Termine.


Programm

Prof. Jürgen Flimm, Intendant
BEGRÜSSUNG

Prof. Dr. Norbert Lammert
HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin
BERLIN GRATULIERT

Felix Mendelssohn Bartholdy
SCHERZO AUS DER MUSIK ZU SHAKESPEARES »EIN SOMMERNACHTSTRAUM« OP. 61

Pierre Boulez
NOTATIONS I–IV, VII FÜR ORCHESTER

Richard Strauss
EIN HELDENLEBEN OP. 40


Am 7. Dezember 1742, auf den Tag genau vor 275 Jahren ist das Opernhaus Unter den Linden eröffnet worden, bei Eiseskälte und »heftigem Schneegestöber«, wie ein zeitgenössischer Bericht vermerkt. Gegeben wurde »Cesare e Cleopatra«, eine festliche Oper von Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun, der im Auftrag seines Dienstherrn, des damals erst 30-jährigen Königs Friedrich II. das Stück komponiert und mit einem Ensemble italienischer Sänger sowie mit den Musikern der Königlich Preußischen Hofkapelle einstudiert hatte.
Dem Monarchen selbst war die Idee zu einem »großen und ansehnlichen« Opernhaus für seine Residenzstadt Berlin gekommen. Gleich nach seiner Thronbesteigung im Frühsommer 1740 hatte er den Auftrag zum Bau erteilt, rund 30 Monate darauf konnte die erste Vorstellung stattfinden, wenngleich noch unter manchen Einschränkungen. Erst im Herbst 1743 war das Haus komplett für den Spielbetrieb gerüstet, weshalb auf der Portikusfassade zur Schauseite Unter den Linden hin auch diese Jahreszahl in römischen Ziffern zu sehen ist.
Den Giebel schmückt die vom König initiierte Inschrift »Fridericus Rex Apollini et Musis« ‒ ein Bekenntnis zu den Schönen Künsten, die fortan an diesem besonderen Ort im Herzen Berlins eine Heimstatt finden sollten. Und in der Tat haben sich der Lichtgott Apoll und die neun Musen, von denen jede einen Aspekt von Musik, Theater und Tanz verkörpert, in den vergangenen 275 Jahren im Haus Unter den Linden offenbar wohl gefühlt. Unzählige Opern-, Konzert- und Ballettvorstellungen sind hier über die Bühne gegangen. Mehrfach wurde das Haus zerstört, durch Brandkatastrophen und Kriege, mehrfach wieder aufgebaut, dazu diverse Male modernisiert und zukunftsfähig gemacht. Eine aufwändige, sich über sieben Jahre erstreckende Sanierungsphase liegt gerade hinter dem Gebäude, das vor gut zwei Monaten, am 3. Oktober 2017, wiedereröffnet wurde und in dem heute, pünktlich zum 275. Geburtstag, wieder der reguläre Spielbetrieb beginnt.
Den Auftakt hierzu geben die Staatskapelle Berlin und ihr Generalmusikdirektor Daniel Barenboim mit einem Festkonzert zu ebendiesem Jubiläum. Das Orchester, die ehemalige Königlich preußische und frühere Kurbrandenburgische Hofkapelle, ist von Anfang an mit dem Haus Unter den Linden verbunden. Inzwischen blickt es auf eine fast 450-jährige Geschichte zurück und gehört damit zu den weltweit ältesten und traditionsreichsten Ensembles seiner Art. Bewusst hat Daniel Barenboim, der seit 1992 an der Spitze der Staatskapelle steht, für dieses Geburtstagskonzert Werke dreier ausgewählt, die im Opernhaus und im Berliner Konzertwesen sehr deutlich ihre Spuren hinterlassen haben und die zugleich zu den wegweisenden Dirigenten ihrer Zeit zählten. Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb seine Musik zu Shakespeares von den Romantikern bewunderten Komödie »Ein Sommernachtstraum« 1843, als er vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. zum »Generalmusikdirektor« ernannt worden war und sich um die Erneuerung der Dom- und Kirchenmusik kümmerte, aber auch ambitionierte Projekte mit der Berliner Hofkapelle verwirklichte. Richard Strauss amtierte ab 1898 über mehr als 20 Jahre lang als Kapellmeister und Generalmusikdirektor am Opernhaus Unter den Linden ‒ die opulent besetzte und entsprechend klangmächtige Tondichtung »Ein Heldenleben« gehört zweifellos zu seinen bedeutsamsten Orchesterwerken. Pierre Boulez schließlich, einer der zentralen Avantgardekomponisten der vergangenen Jahrzehnte, wurde 2005 zum Ehrendirigenten der Staatskapelle ernannt – in zahlreichen Aufführungen, nicht zuletzt mit seinen eigenen Werken, hat er dem Orchester viele neue Impulse gegeben und den Blick der Musikerinnen und Musiker für das unmittelbar Zeitgenössische spürbar geschärft. Seine »Notations« für einen schier gigantischen Orchesterapparat führen in neue, zunächst ungewohnt erscheinende Klangwelten hinein, sind aber mittlerweile selbstverständliche Bestandteile des Repertoires. Dass gerade Mendelssohn, Strauss und Boulez, diese drei außergewöhnlichen, hochoriginellen Künstlerpersönlichkeiten, hier und heute vertreten sind, ist auch ein Zeichen dafür, wie sehr es Daniel Barenboim und der Staatskapelle daran gelegen ist, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden ‒ in der Zusammenschau von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.