Parsifal

Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen von Richard Wagner Text von Richard Wagner

Eine heilsverkündende Gralsbruderschaft hat sich ein strenges Keuschheitsgelübde auferlegt und hütet zwei Reliquien, von denen die Brüder sich ewiges Leben erhoffen: den heiligen Gral und den heiligen Speer. Doch weil ihr Gralskönig Amfortas sich mit der geheimnisvollen Kundry versündigte, ist der Speer in die Hände des einst von der Bruderschaft abgewiesenen Klingsor gelangt, der dem Sünder damit eine nicht heilende Wunde zufügte. Um Amfortas von seinen ewigen Qualen zu erlösen und den Speer zurückzuerlangen, bedarf es laut einer Prophezeihung eines »durch Mitleid wissenden, reinen Toren«. In dem naiven Parsifal glaubt Gurnemanz, der geistige Führer der Bruderschaft, diesen neuen Heiland gefunden zu haben. Doch diesem steht noch ein langer Weg zur Erkenntnis bevor …
Am Ende seines Lebens verband Richard Wagner in seinem »Parsifal« christlichen Mythos mit buddhistischen Elementen und Reflexionen aus der Philosophie Schopenhauers und sah darin die von ihm selbst propagierte Idee einer Kunstreligion verwirklicht. Mit einer beseelenden und erhebenden Musik von großer Strahlkraft führt er letztendlich eine religiöse Ideologie vor, die die Überwindung von Sinnlichkeit und Sünde durch Erkenntnis, Mit-Leid und Verweigerung der als verwerflich dargestellten Liebe predigt.

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ERSTER AUFZUG
An einem verlassenen Ort lebt die Männnergemeinschaft der Gralsritter. Sie haben sich strenge Askese auferlegt und ihr gesamtes früheres Leben hinter sich gelassen für ihren heiligen Dienst. Sie glauben, sie könnten Unsterblichkeit erlangen.
Gurnemanz erzählt den jungen Mitgliedern der Bruderschaft die Geschichte der Gründung und des Aufstiegs der Gemeinschaft, die vor vielen Jahren von Titurel gegründet wurde. Titurel hütet seit Anbeginn zwei
Reliquien: den Kelch, aus dem Jesus Christus beim Letzten Abendmahl trank, und den Speer, der ihn am Kreuz durchbohrte.
Titurels Sohn Amfortas wurde verwundet, als er gegen Klingsor zog, der aus der Bruderschaft vertrieben wurde und sich seitdem an den Grals­rittern rächt. Schuld an Amfortas’ Niederlage war laut Gurnemanz dessen Leidenschaft für eine schöne Frau, die Klingsor ihm geschickt habe. Kling­sor hat den heiligen Speer geraubt und Amfortas damit eine nicht heilende Wunde zugefügt. Seitdem leidet Amfortas unmenschliche Qualen.
Kundry bringt einen wundertätigen Balsam, sie versucht alles, um Amfortas’ Leiden zu lindern. Doch heilen kann die Wunde laut einer Prophezeiung nur ein »reiner Tor, durch Mitleid wissend«.
Die Ritter nehmen einen fremden Jüngling gefangen, der einen Schwan erschossen hat. Gurnemanz tadelt ihn für die Tat. Der Jüngling kann keine Auskunft über sich geben, er weiß nicht einmal seinen Namen. Er erinnert sich nur an seine Mutter, mit der er im Wald lebte und die er verlassen hat. Kundry erklärt, seine Mutter sei tot. Diese Nachricht erschüttert den Jüngling.
Gurnemanz hofft, in ihm den »reinen Toren« gefunden zu haben, und führt ihn in die Bruderschaft ein. Parsifal erlebt die Verrichtung des heiligen Dienstes mit. Titurel fordert seinen Sohn auf, das Amt zu verrichten, das Amfortas jedes Mal grausames Leiden beschert. Amfortas quält die Wunde, noch mehr aber das Bewusstsein seiner Sünde.
Die Gralsritter glauben, dieses Ritual sei das Einzige, das sie nähre und am Leben erhalte.
Doch Parsifal versteht nicht, was er sieht, und Gurnemanz jagt ihn davon.

ZWEITER AUFZUG
Der einst von den Gralsrittern vertriebene und deshalb gekränkte Klingsor hat sich ein eigenes Reich geschaffen, wo er mit lauter Frauen lebt, seinen zahllosen Töchtern, den Blumenmädchen.
Im ständigen Krieg gegen die Gralsritter setzt er alles daran, sie zu diskreditieren und die Bruderschaft zu zerstören.
Klingsor verlangt von seiner Tochter Kundry, ihm erneut zu helfen: Sie soll Parsifal ebenso verführen wie einst Amfortas. Parsifal soll seine Reinheit einbüßen, damit er Klingsor nicht mehr gefährlich werden kann.
Kundry weigert sich verzweifelt.
Parsifal nähert sich Klingsors Reich. Die Blumenmädchen umringen Parsifal und treiben mit ihm ihr übermütiges Spiel.
Kundry bittet die spielenden Mädchen, sie mit Parsifal allein zu lassen. Sie nennt ihn bei seinem Namen, erinnert ihn an seine Vergangenheit, erzählt ihm von seiner Mutter. Davon, wie sehr Herzeleide ihren Sohn liebte, wie schwer sie unter seinem Weggang von zu Hause litt und schließlich starb, ohne ihren Sohn Parsifal noch einmal wiederzusehen.
Erschüttert gibt sich Parsifal die Schuld am Tod der Mutter. Er ist ver­zweifelt.
Um den aufgewühlten Parsifal zu trösten, öffnet Kundry ihm ihre Arme.
Erschreckt von der in ihm erwachten Leidenschaft, reißt Parsifal sich aus Kundrys Armen los, erinnert sich rasend an Amfortas’ Wunde und schreit, eine solche Wunde brenne nun auch in ihm.
Betroffen versucht Kundry, Parsifal aus seiner Verwirrung zu reißen, doch er ist besessen von der Idee, den Gral aus Amfortas’ sündig befleckten Händen zu befreien.
Kundry bittet um Verständnis und Mitgefühl, doch Parsifal stößt sie zornig und angewidert von sich, betrachtet sie als Hure und Frevlerin.
Um Parsifal Einhalt zu gebieten, ruft Kundry um Hilfe.
Klingsor eilt herbei, um Parsifal mit dem Speer zu töten, der Amfortas die Wunde geschlagen hat, doch Parsifal entreißt Klingsor den Speer und vernichtet Klingsor und dessen Reich.

DRITTER AUFZUG
Viel Zeit ist vergangen.
Die Gemeinschaft der Gralsritter ist zerfallen. Der alte Titurel ist gestorben. Die Ritter versammeln sich nicht mehr zum heiligen Dienst, der Gral ruht verschlossen in seinem Schrein.
Gurnemanz leidet sehr unter dem Geschehenen und hat die Gemeinschaft verlassen.
Plötzlich findet er Kundry, die ohnmächtig auf dem Boden liegt. Gurne­manz weckt sie. Kundry ist voller Demut. Sie ist gekommen, um zu dienen.
Ein Fremder erscheint. Gurnemanz und Kundry erkennen in ihm nicht gleich Parsifal.
Parsifal hat den heiligen Speer bei sich. Gurnemanz triumphiert: Die Prophezeiung hat sich erfüllt, das Heiligtum ist zurückgebracht, die Bruderschaft kann mit Parsifal an der Spitze wieder auferstehen.
Die Gralsritter versammeln sich zum heiligen Dienst, denn wegen des Todes seines Vaters hat Amfortas versprochen, die Qualen noch ein letztes Mal auf sich zu nehmen. Doch plötzlich weigert er sich. Er bittet um den Tod als einzige Erlösung von seiner Qual.
Parsifal gibt Amfortas den verlorenen Speer zurück.

Dmitri Tcherniakov
(Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt)

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