Symposion 450 Jahre Staatskapelle Berlin

Auf dem Weg zum großen Opern-und Sinfonieorchester: Die Königlich Preußische Hofkapelle von 1811 bis 1918

175 Jahre bereits zählt die Sinfoniekonzertreihe der Staatskapelle Berlin, das Orchester selbst ist jedoch weit älter. Legt man das erste erhaltene Dokument zugrunde ‒ eine Kapellordnung, die der kurbrandenburgische Kurfürst Joachim II. Hektor 1570 erlassen hat ‒, so steuert das Berliner Traditionsorchester auf das 450. Jahr seines Bestehens zu. 2020 wird es soweit sein ‒ bis dahin ist Zeit und Gelegenheit, die Geschichte dieses einzigartigen Ensembles zu erforschen und zu beleuchten, von seinen Anfängen bis in die Gegenwart hinein. Mittel zum Zweck ist eine Serie von interdisziplinären Symposien, die seit 2015 stattfindet und in der Spielzeit 2017/18 fortgesetzt wird.
Das Symposion Nr. 3, diesmal in Kooperation mit der Humboldt-Universität Berlin und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, nimmt das »lange 19. Jahrhundert« in den Blick, in dem die Königlich Preußische Hofkapelle sukzessive zu einem großbesetzten und leistungsfähigen Opern- und Sinfonieorchester ausgebaut wird. Als Eckdaten sind hierbei die 1811 erfolgte Vereinigung der Orchester der Hofoper Unter den Linden mit dem Orchester des Nationaltheaters am Gendarmenmarkt sowie das Ende des 1. Weltkriegs und des Deutschen Kaiserreichs 1918 gewählt worden, die für die Historie der Berliner Hofkapelle, die ab 1919 den heutigen Namen Staatskapelle Berlin tragen wird, von entscheidender Bedeutung sind. In diese Zeit fällt auch das Wirken so bedeutender Protagonisten wie Gaspare Spontini, Carl Maria von Weber, Otto Nicolai, Felix Mendelssohn Bartholdy und Giacomo Meyerbeer, die kraft ihrer Persönlichkeit die Entwicklung von Hofoper und Hofkapelle während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend vorangetrieben haben. Ein markantes Ereignis war 1842 die Einführung regelmäßig veranstalteter Sinfoniekonzerte, die über alle Umbrüche hinweg bis heute fortgeführt werden. Bis in die Zeit des 1. Weltkriegs hinein haben prominente Dirigenten wie Joseph Sucher, Felix von Weingartner, Karl Muck, Leo Blech und vor allem Richard Strauss den hervorragenden Ruf der Königlich Preußischen Hofkapelle, eines der führenden europäischen Opern- und Konzertorchester zu sein, nachhaltig befestigen können. Der spürbare künstlerische Höhenflug, der im späten 19. Jahrhundert ansetzt und der sich in der Weimarer Zeit fortsetzt, ist wesentlich den exzellenten Generalmusikdirektoren zu danken, die sich im Verein mit den Orchestermusikern einem hohen Qualitätsanspruch verpflichtet fühlten und ihren Beitrag leisteten, dass Berlin zu einer international führenden Musikstadt aufstieg.
Wie bereits in den beiden vorangegangenen Symposien soll die Geschichte der Königlich Preußischen Hofkapelle im 19. Jahrhundert erneut im engen Zusammenhang mit der Berliner Stadtgeschichte sowie der allgemeinen Kultur- und Sozialgeschichte betrachtet werden ‒ immerhin war das Orchester doch nicht zuletzt auch ein Instrument zur Repräsentation der Herrschenden, ob nun bei den Preußenkönigen Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. (ab 1871 als Deutscher Kaiser amtierend) sowie in der Wilhelminischen Ära. Gerade während dieser drei Jahrzehnte von 1888 bis 1918 entwickelte sich die Königlich Preußische Hofkapelle zu jenem modernen Orchester, das in seinen Grundstrukturen bis heute Bestand hat.

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