Aus Babelsberg und Hollywood

Magazin Nr. 4 - 2026/27

Filmmusik zum Jahreswechsel, gespielt von der Staatskapelle Berlin, dirigiert von Generalmusikdirektor Christian Thielemann.

Die Staatskapelle Berlin, zu Hause in Oper und Symphonik, unternimmt zu Silvester und Neujahr einen Ausflug in die Sphären der Filmmusik. Wie schon in den beiden vergangenen Jahren möchten Generalmusikdirektor Christian Thielemann und „sein“ Orchester dem Publikum zum Jahreswechsel etwas Besonderes, Außergewöhnliches, durchaus auch Überraschendes bieten – nach Musik aus dem Berlin der Weimarer Zeit und Musik aus Operetten von Franz Lehár erklingt nun Musik aus bekannten Filmen der 1920er und 1930er Jahre, aus Babelsberg und Hollywood.
Mit Musik aus dem vor genau 100 Jahren gedrehten UFA-Streifen Metropolis, einem Klassiker des expressionistischen Stummfilms, sowie aus den opulent in Szene gesetzten Hollywood-Produktionen Gone with the Wind (Vom Winde verweht) und The Adventures of Robin Hood (Die Abenteuer des Robin Hood) werden Lichter auf drei Filme geworfen, die Kinogeschichte geschrieben haben, in Europa und Übersee. Und zwei der drei Komponisten, denen wir diese großartigen Filmmusiken verdanken, haben auch den Weg aus der Alten in die Neue Welt genommen: Max Steiner (1888-1971) und Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), beide im damaligen Österreich-Ungarn geboren, beide aus alteingesessenen jüdischen Familien stammend, beide musikalisch bestens ausgebildet und hochtalentiert – beide waren sie auch maßgeblich bei der Ausprägung eines spezifischen „Hollywood-Sounds“ beteiligt. Zahlreiche Oscar-Prämierungen bzw. -Nominierungen sprechen für die hohe Wertschätzung, die ihnen zuteil wurde, wenngleich sie dadurch recht einseitig – in der Rückschau vielleicht sogar zu sehr – als Filmkomponisten wahrgenommen wurden. Was im Falle von Steiner, der seit 1929 bis in die mittleren 1960er Jahre hinein nahezu ausschließlich für die „Traumfabrik“ arbeitete, noch zutreffen mag, stellte sich bei Korngold durchaus anders dar: Immerhin hatte er bereits 1920 mit seiner Oper Die tote Stadt einen Welterfolg landen können, mit weiteren Bühnenwerken sowie Orchester-, Kammer- und Klaviermusik war er als formidabler wie prominenter Komponist der „ernsten Musik“ und der klassischen Formen anerkannt, bevor er von den Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen wurde.

„Die Musik ist dramatisch, plakativ im guten Sinne.“

Christian Thielemann

Es ist diese Verankerung in der Tradition, fußend auf einem souveränen handwerklichen Können, die für Christian Thielemann von entscheidender Bedeutung ist, wenn der Blick auf die Filmmusiken Korngolds und Steiners fällt. Die besondere Opulenz dieser Kompositionen erinnert nicht selten an die klangmächtigen, effektvoll instrumentierten Tondichtungen von Richard Strauss. Vielfach sind sie ausgesprochen „symphonisch“ gehalten, mit einem Gespür für großformatige melodische Entwicklungen, dynamische Steigerungen und vor allem für klangfarbliche Raffinesse, zudem ist sie häufig „dramatisch, plakativ im guten Sinne" (Thielemann) gehalten und vermag sehr plastisch Figuren und Situationen zu charakterisieren. Schaut man in die Partituren dieser Hollywood-Musiken, so wird offenbar, dass diese wahrlich meisterhaft gestaltet sind, von großer Könnerschaft getragen. Manches klinge zwar, so Christian Thielemann, zuweilen „pathetisch überhöht“, was sehr schnell und voreilig als Kitsch abgetan werden könne. Anzuerkennen ist aber die hohe Qualität und der künstlerische Anspruch dieser Musik, die, aus der symphonischen Tradition der klassisch-romantischen Zeit heraus erwachsen, zweifellos zu beeindrucken weiß. Es bedarf jedoch einer speziellen Form der Annäherung, um ihre Qualitäten voll und ganz zur Geltung zu bringen, im Sinne eines grundlegenden Verständnisses für Ausdruck und Stil.

Wenn ein Spitzenorchester wie die Staatskapelle Berlin sich diesen vermeintlich „leichten“ und „populären“ Filmmusiken mit ihrem oft schier überwältigenden „Breitwand-Sound“ zuwendet, so geschieht dies mit aller nötigen Ernsthaftigkeit. Für Christian Thielemann, der schon in seinen ersten beiden Spielzeiten als Generalmusikdirektor auf manchmal überraschende Weise in eher weniger beachteten musikalischen Gefilden unterwegs gewesen ist, liegt ein besonderes Anliegen darin, zumindest ab und an auch dieses Repertoire und diese Stilistik zu pflegen. Er ist überzeugt, dass auch ohne die Bilder, die der Film liefert und die unsere Aufmerksamkeit zu fesseln wissen, die Musik wirkungsmächtig Präsenz gewinnen kann – konzentriert und intensiv darauf zu hören, ist ein Erlebnis eigener Art. Besonders freue er sich, so Christian Thielemann, auf die Filmmusik zu Metropolis, die den Ausklang der besagten Jahreswechselkonzerte bilden wird. Als eine Ikone des Science-Fiction-Kinos, in dem die Vision einer zukünftigen Stadt und eines zukünftigen Menschen entworfen wird – und dies keineswegs positiv und optimistisch –, ist dieses Monumentalwerk in der Regie von Fritz Lang und mit der packenden, konturscharfen Musik von Gottfried Huppertz (1887-1937) zur Filmlegende geworden. Im Herbst 1926 nach mehr als einjährigen, enorm aufwändigen Dreharbeiten fertiggestellt und im Januar 1927 erstmals im Berliner Zoo-Palast präsentiert, steht unser Konzert genau zwischen diesen beiden 100-Jahr-Jubiläen. Gewiss ist dies ein schönes Zusammentreffen, wichtiger aber noch ist es, dass damit ein Stück „großer Musik“, die in der künstlerischen Praxis der Staatskapelle bislang kaum einmal eine Rolle gespielt hat, in den Saal der Staatsoper gelangt – für ein Publikum, das ein offenes Ohr für diese Klänge mitbringt.

Christian Thielemann und die Staatskapelle Berlin

October

December

January 2027

  • Family Performance

Sym­pho­nie­kon­zert IV

Christian Thielemann, María Dueñas
Duration: approx. 2 hrs including one interval

Felix Mendelssohn Bartholdy

Meeresstille und glückliche Fahrt op. 27

Concert for Violin and string orchestra d-Moll

Ouverture to Ein Sommernachtstraum op. 21

Symphony No. 5 d-Moll op. 107 Reformations-Symphonie

  • Family Performance

Sym­pho­nie­kon­zert IV

Christian Thielemann, María Dueñas
Duration: approx. 2 hrs including one interval

Felix Mendelssohn Bartholdy

Meeresstille und glückliche Fahrt op. 27

Concert for Violin and string orchestra d-Moll

Ouverture to Ein Sommernachtstraum op. 21

Symphony No. 5 d-Moll op. 107 Reformations-Symphonie

February 2027

March 2027

  • Festtage 2027

Festtage-Konzert Staatskapelle Berlin

Christian Thielemann, Julia Kleiter, Patricia Nolz, Klaus Florian Vogt, René Pape
Duration: approx. 1:15 hrs without an interval

Ludwig van Beethoven

Symphonie No. 9 d-Moll op. 125

April 2027

Sym­pho­nie­kon­zert VI

Christian Thielemann, Camilla Nylund, Piotr Beczała
Duration: approx. 2 hrs including one interval

Franz Liszt

Festklänge (Symphonic poem No. 7)

Richard Strauss

Orchesterlieder

Franz Liszt

Les Préludes (Symphonic poem No. 3)

Sym­pho­nie­kon­zert VI

Christian Thielemann, Camilla Nylund, Piotr Beczała
Duration: approx. 2 hrs including one interval

Franz Liszt

Festklänge (Symphonic poem No. 7)

Richard Strauss

Orchesterlieder

Franz Liszt

Les Préludes (Symphonic poem No. 3)

June 2027

Aus dem Magazin der Staatsoper Unter den Linden - Nr. 4.

Am 12. September 2026 erscheint die neue Ausgabe des Magazins der Staatsoper mit spannenden Einblicken zu den Barocktagen 2026, der ersten Premiere der Spielzeit La Vestalevon Gaspare Spontini,dem Rosenkavalier auf Reisen, dem Konzert zum Jahreswechsel und der neuen Mitmachoper Die Fledermaus für Kinder.