Hanna Lisowska
Kurz vor der Vollendung ihres 87. Lebensjahres ist die international renommierte Opern- und Konzertsängerin Hanna Lisowska verstorben, die über rund eineinhalb Jahrzehnte der Staatsoper Unter Linden eng verbunden war. Geboren, aufgewachsen und musikalisch ausgebildet in Warschau debütierte sie 1962 am dortigen Teatr Wielki als Halka – die Titelpartie in der wohl bekanntesten polnischen Oper von Stanislaw Moniuszko gehörte im weiteren Verlauf ihrer sich rasch entwickelnden Karriere zu den Glanzrollen ihres Repertoires. Ab 1967 war sie Ensemblemitglied an der Warschauer Oper, wo sie in fast 300 Vorstellungen auftrat, u. a. als Aida, Tosca und Turandot, als Elisabetta in Don Carlo, Tatjana in Eugen Onegin, Lisa in Pique Dame, als Micaëla in Carmen oder als Donna Elvira in Don Giovanni.
Schon bald sang Hanna Lisowska an großen Häusern in Europa und Übersee, so etwa an der Metropolitan Opera New York (wo sie ohne Probe als Sieglinde in Die Walküre einsprang), am Royal Opera House Covent Garden London, an der Wiener Staatsoper, an der Bayerischen Staatsoper München, an der Hamburgischen Staatsoper sowie in Italien und Japan.
1977 feierte sie ihr Debüt an der Staatsoper Unter den Linden, 1986 wurde sie hier als festes Mitglied des Ensembles engagiert. Vor allem als Leonore in Beethovens Fidelio hinterließ Hanna Lisowska großen Eindruck, aber auch als Senta in Der fliegende Holländer, als Elisabeth in Tannhäuser, Eva in Die Meistersinger von Nürnberg, Martha in Tiefland sowie in großen Partien des italienischen Fachs. Bei der Wiedereröffnung des Hauses nach vorheriger Sanierung 1986 war sie als Eglantine in Webers selten gespielter Oper Euryanthe zu erleben. Gastspiele führten sie auch noch in den 1990er Jahren, als die Zusammenarbeit mit der Berliner Staatsoper endete, an bedeutende europäische Opernhäuser sowie nach Nord- und Südamerika. Zu dieser Zeit traten auch dramatische Partien des Wagner-Fachs, etwa die Isolde, die Brünnhilde oder die Kundry, zunehmend in den Fokus ihrer sängerischen Tätigkeit, ebenso maßgebliche Strauss-Partien wie die Chrysothemis in Elektra und die Marschallin in Der Rosenkavalier. Auch als Konzertsängerin konnte sie sich profilieren, nicht zuletzt auch mit Aufnahmen für Rundfunk und Schallplatte, etwa von Mahlers 2. Symphonie.
Mit der souveränen Beherrschung ihres weitgefächerten Repertoires, mit ihren besonderen stimmlichen Qualitäten wie mit ihrer Bühnenpräsenz, hat sich Hanna Lisowska bei ihren Künstlerkolleg:innen wie beim Publikum große Anerkennung und Wertschätzung erworben. Die Staatsoper Unter den Linden, die für einen entscheidenden Teil ihrer Laufbahn ihre künstlerische Heimat war, wird Hanna Lisowska ein ehrendes Andenken bewahren.
Im Namen der Staatsoper Unter den Linden