Mehr als ein Jahrhundert Barockmusik mit einem mythischen Sänger

Magazin Nr. 4 - 2026/27

Herausragende Gesangsstars und Ensembles bei den Barocktagen 2026

Mit seinem Gesang rührt er Menschen und Götter, betört Tiere, Pflanzen und Steine und verschafft sich sogar Zugang zur Unterwelt: Die antike Gestalt des Orpheus prägt seit Jahrhunderten die Musikgeschichte, immer wieder neu werden seine Geschichten zum Klingen gebracht, besonders seine Liebe zur Nymphe Eurydike. Als sich im 17. Jahrhundert in Italien die Oper entwickelt, ist der Sänger Orpheus die beliebteste Bühnenfigur.

Bei den diesjährigen Barocktagen der Staatsoper Unter den Linden sind die vielfältigen musikalischen Erzählungen über Orpheus mit herausragenden Sänger:innen und Ensembles zu erleben. Von Claudio Monteverdis 1607 uraufgeführter Oper L’Orfeo bis zu Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice, 1762 am Ende der Barockzeit entstanden, spannt sich der Bogen. Verbunden sind diese beiden Werke mit zwei besonderen Sänger:innen, die seit Jahrzehnten das Publikum der Staatsoper begeistern: Im Eröffnungskonzert widmet sich der Tenor Rolando Villazón der Musik von Monteverdi und seinen Zeitgenossen, in einer halbszenischen Aufführung ist die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli in der Titelrolle von Glucks Orfeo ed Euridice zu hören. An der Staatsoper war Villazón seit den 2000er Jahren in Hauptrollen von Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti, Georges Bizet und anderen zu erleben, nun singt er hier zum ersten Mal Musik aus der frühen Barockzeit, die seit längerem ebenso zu seinem Repertoire zählt. Wie kaum eine andere Sängerin trug Cecilia Bartoli in den vergangenen Jahrzehnten zur Wiederentdeckung von barocken Opern besonders von Antonio Vivaldi bei, an der Staatsoper begeisterte sie vor allem in Rollen Wolfgang Amadeus Mozarts sowie in Konzerten gemeinsam mit dem ehemaligen Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. Anlässlich ihres runden Geburtstags in diesem Jahr kehrt Bartoli in der Rolle des Orpheus zurück auf die Bühne der Staatsoper, nun zum ersten Mal mit dem 2016 auf ihre Initiative gegründeten Orchester Les Musiciens du Prince, das gemeinsam mit dem Chor Il canto di Orfeo unter der musikalischen Leitung von Gianluca Capuano Glucks epochale Oper in einem Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo präsentiert.

- Orfeo ed Euridice Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo

Im Eröffnungskonzert werden Villazón und seine Gesangskolleg: innen von dem Ensemble begleitet, das auch in der Opernneuproduktion von Francesco Cavallis La Calisto zu erleben ist: das Ensemble L’Arpeggiata, mit dem Christina Pluhar seit Jahrzehnten zahlreiche Perlen des reichen barocken Repertoires wiederentdeckt und sie mit historischinformierten und zugleich innovativen Spielweisen aufführt. Mehrere dieser Perlen erklingen auch bei ihrem Konzert Wonder Women mit der Mezzosopranistin Luciana Mancini, in dem vor allem Werke von Komponistinnen wie Barbara Strozzi und Francesca Caccini zu hören sind. Für La Calisto finden sich erstmalig Musiker:innen von L’Arpeggiata und der Akademie für Alte Musik Berlin zusammen. Seit Jahrzehnten prägt dieses Ensemble die Aufführungen von Barockopern an der Staatsoper. In zwei weiteren Opern während der Barocktage 2026 bringt Akamus – wie das Ensemble sich selbst gern nennt – die stilistische Vielfalt dieser Epoche zum Strahlen: im Publikumsliebling Dido & Aeneas, mit dem die Choreographin Sasha Waltz mit Henry Purcells genreübergreifender Form der barocken Masque eine zeitgenössische Inszenierung geschaffen hat, sowie bei Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea. In diesem bewegenden Werk über die vielfachen Verstrickungen von Liebe und Politik im antiken Rom ist neben Anna Prohaska in der Titelrolle auch Raffaele Pe als Kaiser Nero zu erleben. Der Countertenor widmet sich weiteren ergreifenden Stücken Monteverdis im Konzert mit seinem eigenen Ensemble La Lira di Orfeo im Apollosaal. Ein Ausschnitt aus Monteverdis L’Orfeo darf dabei natürlich nicht fehlen.

Über einhundert Jahre später, um 1730, entstand Giovanni Battista Pergolesis Kantate Orfeo. Dieses Werk für Sopran, Streicher und Basso continuo präsentieren die Sopranistin Roberta Mameli und Akamus in ihrem Kammerkonzert im Apollosaal. Georg Friedrich Händel spielt in diesem Konzert eine besondere Rolle: Neben einer Arie aus seiner Oper Ariodante gibt es eine Kantate zu hören, von der man bis vor wenigen Jahrzehnten annahm, dass Händel sie komponiert habe. Tatsächlich stammt Il Pianto di Maria aus der Feder seines italienischen Kollegen Giovanni Battista Ferrandini. Diese ergreifende Kantate offenbart, wie ähnlich Gefühle in weltlicher und geistlicher Musik während der Barockzeit dargestellt wurden, und entpuppt sich als effektvoll dramatische Musik. In welcher stilistischen Bandbreite sich die affektgeladene Musik in etwas mehr als einhundert Jahren von den Anfängen der Gattung Oper bis zur sogenannten klassischen Epoche gewandelt hat, lässt sich bei den Barocktagen 2026 mit herausragenden Sänger:innen und Ensembles sinnlich erleben.

November

  • Barocktage 2026

Eröffnungskonzert Barocktage 2026

Combattimento – Liebe, die in den Tod führt

Werke von

Claudio Monteverdi, Luigi Rossi, Antonio Sartorio, Lorenzo Allegri und Maurizio Cazzati

Besetzung

  • Premiere,
  • Barocktage 2026

La Calisto

Francesco Cavalli

Besetzung

  • Barocktage 2026

La Calisto

Francesco Cavalli

Besetzung

  • Barocktage 2026

La Calisto

Francesco Cavalli

Besetzung

  • Barocktage 2026

La Calisto

Francesco Cavalli

Besetzung

  • Barocktage 2026

L’incoronazione di Poppea

Claudio Monteverdi
Dauer: ca. 3:45 h inklusive einer Pause nach dem 1. Akt

Besetzung

  • Familienvorstellung,
  • Barocktage 2026,
  • Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

La Calisto

Francesco Cavalli

Besetzung

  • Barocktage 2026

L’incoronazione di Poppea

Claudio Monteverdi
Dauer: ca. 3:45 h inklusive einer Pause nach dem 1. Akt

Besetzung

  • Barocktage 2026

L’incoronazione di Poppea

Claudio Monteverdi
Dauer: ca. 3:45 h inklusive einer Pause nach dem 1. Akt

Besetzung

  • Barocktage 2026

Dido & Aeneas

Henry Purcell
Dauer: ca. 1:45 h – keine Pause

Besetzung

  • Barocktage 2026,
  • Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

L’incoronazione di Poppea

Claudio Monteverdi
Dauer: ca. 3:45 h inklusive einer Pause nach dem 1. Akt

Besetzung

  • Barocktage 2026,
  • Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

Dido & Aeneas

Henry Purcell
Dauer: ca. 1:45 h – keine Pause

Besetzung

Aus dem Magazin der Staatsoper Unter den Linden - Nr. 4.

Am 12. September 2026 erscheint die neue Ausgabe des Magazins der Staatsoper mit spannenden Einblicken zu den Barocktagen 2026, der ersten Premiere der Spielzeit La Vestalevon Gaspare Spontini,dem Rosenkavalier auf Reisen, dem Konzert zum Jahreswechsel und der neuen Mitmachoper Die Fledermaus für Kinder.